Big in Japan!

Die Einladung zu den Deaf Beachvolleyball Friendshipgames 2019 in Oita kam sehr kurzfristig und für Deutschland entschieden sich Maximilian Schmidt und Patrick Kelch als Männerteam und Katrice Wega Teubou und ich (Inga Ragutt) als Damenteam teilzunehmen.

Trotz Ungewissheit was uns in Japan erwarten würde, traten wir mit Sandra Scholz als Betreuerin und Trainerin am Mittwoch den 18.09.2019 die lange Reise  nach Japan an. Nach 16 Stunden Flugzeit mit Zwischenstopp in Hongkong bzw. Doha kamen wir am folgenden Nachmittag in Tokio-Narita an. Dort wurden wir herzlich von zwei Spieler/innen aus Tokio empfangen. Sie brachten uns zum Hotel und die restliche Zeit nutzten wir für ein kurzes Sightseeing einer Einkaufsmall in Narita, wo uns die japanischen Spieler die  Spezialität Takoyaki (gebackene Krake) nahe legten und probierten diese mit verschiedenen Saucen und bummelten durch die Einkaufsmalls. Später ist Katrice dazu gestoßen, sie ist zusammen mit der polnischen Mannschaft aus Doha angereist. Nach einer kurzen Nacht ging es reibungslos weiter nach Oita. Mit einem Linienbus fuhren wir eine Stunde zu einem zentrumnahen kleinen Supermarkt (typische kleine Supermärkte, die Fastfood-Artikel, Süßigkeiten und Getränke anbieten). Kleine asiatische Nudel- und Reisgerichte waren unsere Zwischenmahlzeit. Von dort aus wurden wir von japanischen Gehörlosen zum Strand gebracht, wo die Beachvolleyballfelder bereit aufgebaut waren. Dort trafen wir auch Hirohito Ushio, der das Beachturnier organisiert und uns eingeladen hatte. 

Auf den Beachvolleyballfeldern trainierten die Männer und Frauen getrennt, aber zusammen mit allen Spielerinnen aus den jeweiligen Ländern Deutschland Polen und Japan.  Während des Trainings kam starker Regen auf, der mit der Zeit weiter zunahm. Da die Temperatur aber angenehm war, hatten wir trotz Regens viel Spaß im Sand. Nach dem Training ging es ins Hotel, dort machten wir uns in unseren Einzelzimmern für einen weiteren Ausflug frisch. Gemeinsam mit den polnischen und japanischen Teams besuchten wir einen regionalen Kindergarten. Dieser öffentliche Besuch wurde von der japanischen Delegation organisiert. Einige Kinder wirkten sehr schüchtern und weinten, andere Kleinkinder waren dagegen umso offener und kamen direkt auf uns zu. Sie wollten mit uns spielen und ließen sich auch auf dem Arm nehmen. Japanische Mütter sangen und tanzten Kinderlieder. Nach einer Stunde und kurzer Verabschiedung ging es zurück ins Hotel und wir hielten mit den polnischen SpielerInnen und  Trainer nach einem Restaurant in Oita. Wir  entschieden uns für ein Lokal mit  Bilder, an denen wir unsere Essenwünsche zeigen konnten, denn keiner von uns beherrschte japanisch und es gab keine englischen Übersetzungen. Katrice und ich probierten verschiedene japanische Spezialitäten aus und nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Im Hotel gab es eine kurze Besprechung und durch Sandra erfuhren wir ein paar Einzelheiten zum Turniermodus. Anschließend gingen alle platt und geflascht von den Erlebnissen zu Bett.

Der nächste Morgen begann mit einen ungewöhnlichen Frühstück. Statt Wurst, Käse und Brötchen, gab es Reis, Suppe, Omelette, Hähnchen, verschiedene Gemüse und Salate, das natürlich mit Stäbchen verzehrt werden musste. Gut gestärkt ging es eine Stunde später per Bustransfer zum Tanoura Beach, wo der Wettkampf startete. Das Turnier wurde noch nicht eröffnet, sondern es wurde eine Setzliste erspielt. Jeder spielte gegen jeden und ein Satz bis 25, damit alle Spiele auf dem Hauptfeld hintereinander stattfinden konnten. Zunächst spielten die Männer untereinander. Unsere Herren spielten zuerst gegen Japan 2 und gewannen das Spiel 25:19. Gegen Polen und Japan hatten die Männer das Nachsehen und verloren ihr Spiel, sodass sie sich mit den 3. Platz in der Gruppe zufrieden geben mussten. Japan 1 wurde Gruppenerster, allerdings gefolgt von Polen. Den 4. Platz belegte Japan 2.

Nachmittags spielten Katrice und ich zuerst gegen Japan. Wir verloren das Spiel mit 20:25. In Anschluss gewann Polen gegen Japan mit 25:20. Auch wir spielten zum Schluss gegen Polen und hatten einen missglückten Start ins Turnier. Den gesamten Spielverlauf liefen wir einen Rückstand hinterher, den wir aber kurz vor Ende egalisierten. Tatsächlich gelang uns zum Ende das Spiel zu 25:23 zudrehen und gewannen sehr glücklich. Die Setzliste bei den Damen stand somit fest. 1. wurde Polen, gefolgt von Japan und wir belegten den 3. Platz wegen des schlechteren Punkteverhältnis. Während der Spiele begleiteten uns Kamerateams und später im Japanischen TV ausgestrahlt.  Nach den Spielen ging es zum Frischmachen und Abendessen ins Hotel.  Im Anschluss trafen sich die SpielerInnen und alle Verantwortlichen für einen kulturellen Austausch. Es gab japanische Süßigkeiten und Getränke. Wir überreichten den Spieler*Innen und Hirohito Ushio unsere mitgebrachten typischen deutschen Produkte wie Knödel, Süßigkeiten (Hanuta, Spekulatius, Brause ect.) sowie Bleistifte oder Handcreme. Auch die anderen SpielerInnen und Beteiligten durften von unseren Spezialitäten kosen. Toller Austausch und die Atmosphäre war nett und freundschaftlich. Das Treffen war nach 1 ½ Stunden beendet und wir ließen den Abend ausklingen.

Am 22. gab es um 8 Uhr Frühstück. Diesmal wieder mit Reis, Suppe und Co. Lediglich anderes Gemüse wechselte  gegenüber den Vortag. 8.45 Uhr machte sich die deutsche Mannschaft auf dem Weg zum Strand. Es regnete in Strömen, sodass Katrice und ich im Innenraum des Gebäudes warm machen mussten. Um 9.30 Uhr auf dem Beachfeld eingespielt und wir durften gegen Japan spielen, da der Gruppenzweite gegen den Gruppendritte spielte. Der Sieger würde das Finale erreichen und der Verlierer durfte in einen späteren Spiel gegen den Gruppenersten als Lucky Loser die zweite Chance bekommen ins Finale sich zu spielen. Katrice und ich hatten uns vorgenommen locker und mit Spaß zu spielen. Dies gelang uns an diesen Tag glänzend und wir machten ein sehr gutes Spiel mit einer hervorragenden Annahme und guten Aufschlägen. Wir führten den ersten Satz mit 21:19. Im zweiten Satz ging es ganz knapp hin und her, doch Mitte des Satzes setzte sich Japan mit 14:17 ab. Wir wählten eine Auszeit und kamen konzentriert wieder zurück, glichen aus und drehten das Spiel ohne noch einen Punkt abzugeben. Wir gewannen gegen die erfahrene Japanerin mit 21:17. Die Freude über den Einzug ins Finale war riesig. Nach unserem Spiel spielten bei den Männern der Gruppenerste gegen den Gruppenvierten das erste Halbfinal aus bzw. Japan 1 gegen Japan 2. Es gewann Japan 1 souverän. Im Anschluss zu diesem Spiel wurde die Deaf Beachvolleyball offiziell feierlich eröffnet. Wir wurden einzeln vorgestellt. Politiker, Sponsoren und Offizielle des Turniers hielten Reden. Zum Abschluss der Zeremonie trug ein Mann die Japanische Nationalhymne vor, die sogar in japanischer Gebärdensprache begleitet wurde. Ein sehr schöner Höhepunkt.

Nach der Eröffnungsfeier spielten die deutschen Herren als Gruppendritter gegen Polen. Heute zeigten die Männer kein durchwachsenes Spiel. Der erfahrene polnische Spieler machte mit seinen cleveren Spielzügen den Deutschen das Spiel schwer. Max und Patrick versuchten mit allen Mitteln sich zu  verteidigen, doch es reichte leider nicht aus und verloren somit das Spiel. Zum Tagesende spielten dann nochmal die Damen mit Japan gegen Polen. Hier setzte sich diesmal Japan durch und für die polnischen Damen  war damit mit Platz 3 das Turnier beendet. Während des Turniers standen auch Physios zur Verfügung, die uns behandelten. Katrice und ich haben eine Ganzkörpermassage in Anspruch genommen. Der Physio gab sich sehr viel Mühe und dehnte uns richtig gut durch und wir gingen gestärkt aus der Behandlung. Nach den Spielen machten wir einen Abstecher ins Zentrum. Obwohl Sonntag war, war das Einkaufszentrum geöffnet und von Japanern stark besucht.  Auf dem Rückweg zum Hotel nahm der Wind sehr stark zu. Wir bekamen die Information, dass über Nacht ein Taifun über Oita ziehen würde. Im Laufe des Abends wurde der Wind immer stürmischer aber über Nacht merkten wir aber nichts von Taifun.

Am nächsten Morgen war der Taifun davon gezogen und die Sonne zeigte sich zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Oita. Lediglich hatte der Wind noch nicht ganz abgeklungen. Nach dem Frühstück fuhren wir wieder zum Tanoura Beach. Die deutschen Herren spielten im Spiel um Platz 3 gegen Japan 2. Die Japaner spielten ein gutes Spiel und die Deutschen taten sich schwer und machten leider zu selten Punkte, sodass sie dieses Mal das Nachsehen hatten und das Turnier als viertplatzierte beendeten.  Anschließend spielten die BeachspielerInnen ein Match mit Schulkindern. Alle hatten sichtlich Spaß und es war ein toller kultureller  Austausch der zeigte, dass Sport die Nationen verbindet. Während der Kinderspiele machten wir Damen uns für das Finalspiel warm und um 12.30 Uhr startete unser Spiel. Der erste Satz war gefüllt mit vielen Fehlern, sodass wir den Satz mit 15:21 verloren. Der zweite Satz konnte aber ausgeglichen werden. Mit paar Punkten Vorsprung übernahmen wir die Führung, doch die kämpferischen Japanerinnen glichen aus und zogen zum Spielende davon. Wir kämpften uns wieder zurück doch diesmal geling es uns nicht den Satz zu drehen, sodass wir knapp den Satz mit 19:21 verloren und somit auch das ganze Spiel. Trotz alledem  hat das Spiel und Turnier Spaß gemacht. Dieser Ausflug beweist, dass wir auf den gleichen Level spielen wie Japan und Polen und somit international auch mit anderen Ländern mithalten können. Es war die erste gemeinsame Teilnahme an einem internationalen Turnier für Katrice und mich.

Nach unserem Spiel gab es noch das Männerfinale. Hier setzte sich Japan 1 gegen Polen in 2 Sätzen durch und gewann somit das Turnier für sich. Im Anschluss an das Spiel wurde das Turnier durch eine schöne und ungewöhnliche Siegerehrung beendet.

Nach dem Turnier fuhren wir gemeinsam mit dem polnischen Team zu einen nahegelegenen und für die Region bekannten  Affenpark. Die Affen liefen frei herum und waren nicht gerade menschenscheu.   Mit einem öffentlichen  Bus ging es wieder zurück nach Oita zu unseren Hotel. Die Busfahrt unterschied sich gegenüber einer Fahrt in Deutschland, dass man beim Einsteigen einen Schein bekommt und erst beim Aussteigen bezahlen musste.  

Abends statteten wir erneut einen Besuch im Einkaufszentrum ab und holten uns im Food-Bereich was zum Essen. Am Abend ging es nochmal raus und zum Schluss besuchten wir eine ehemalige Tempelanlage ganz in der Nähe vom Hotel. Auf dem ehemaligen Gelände steht heute eine Lichtinstallation, die die Tempelanlage in LED Lichter wiedergab. Ein sehr schöner Anblick in der Dunkelheit und ein schöner Tagesabschluss.

 

Am 24. September stand die lange Rückreise bevor. Wir packten nach dem Frühstück die Koffer und um 10.30 Uhr ging es zum Flughafen. Ein Stau in Oita bereitete eine knappe Ankunft am Flughafen gegen 12 Uhr. Kaum angekommen, ging schon weiter mit dem Flug Richtung Tokio Narita. Die japanischen SpielerInnen begleiteten uns bis zur Gepäckabgabe. Es war nun die Zeit sich zu verabschieden und wir bedankten uns herzlich für die tolle Begleitung und Hilfsbereitschaft.

 

Auf den Rückflug hatten wir wieder einen zweistündigen Zwischenstopp in Hongkong und dann es weiter mit den 12 stündigen Flug nach Frankfurt. Es war ein kompletter Nachtflug, sodass wir zur morgendlichen Dämmerung um 6.30 Uhr nach 30 stündigen Rückflug in Frankfurt landeten.

Es war ein gelungenes Turnier und wir sind froh dabei gewesen zu sein. Wir haben tolle Erfahrungen und Eindrücke aus Japan gesammelt. Auch die Begegnungen mit den netten Menschen und deren Kultur werden wir nicht vergessen.

An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei den DBVA und vor allem bei Hirohito Ushio dafür, dass wir die Chance bekommen haben, an solch einen großartigen und gut organisierten Turnier teilnehmen zu dürfen. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Alle, die uns unterstützt und begleitet, jederzeit geholfen,  immer hilfsbereit und freundlich waren.

Das Turnier war ein Vorbereitungsturnier  für die Pacific Games 2019, die in November in Hongkong stattfinden werden und  an den die japanischen Teams teilnehmen. Wir wünschen den BDVA und den japanischen Teams ganz viel Erfolg dort und drücken die Daumen.

Das Turnier zeigt wie wichtig ein solcher kultureller Austausch auch Übersee sein kann. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass unserer  Verband das erkennt, welche großartige Chance solche Turniere für Sportler und Sportlerinnen haben können, aber auch für Funktionäre sein können und gegenseitig voneinander zu lernen. Wie sowas geht, hat Japan gezeigt und ich denke da ist viel Luft nach oben auch in Deutschland mehr zu machen und auch unseren Sport öffentlich zu präsentieren. Japan arbeitet hart daran Sponsoren zu finden und den Sport der Welt zu zeigen und zeigt das es funktioniert!