Zusammenfassung von Dieter Wenig
5. Platz für das Volleyballteam Männer Deutschland bei Deaflympics in Australien 2005
4 Lehrgänge mit je 4 Tagen und einige Testspiele gegen eine Regionalmannschaft bzw. gegen eine 2. Bundesligamannschaft hatten die Spieler hinter sich, als es nach Melbourne ging. Bis jetzt war der 7. Platz die beste Platzierung überhaupt und die Mannschaft hatte viel vorgenommen, in Australien eine bessere Platzierung, möglichst ins Halbfinale zu kommen.
Nach guten, langen Flug empfing uns ein kühles Wetter, das aber dann immer wärmer, rein sommerlich wurde. Nach Akklimatisierung und einigen Training bzw. Testspiele ging es los. Die Eröffnung war einfach überwältigend. Alle Teilnehmer wurden nach Einmarsch gleich aufs Tribüne zugewiesen und von dort aus könnten sie das Eröffnungsspektakel im sitzen erleben. Das war eine sehr eine sehr beeindruckende Vorstellung mit Live-Bilder auf Großleinwand, Dolmetscher, Untertiteln, Gesang, Tanz und Reden. Erfolgreiche Sportler wie Terence Parkins, Dean Smith, Ella Fitzgerald und erfolgreiche Leader wie Familie Lovett mit Donalda Ammons, Gerald Jordan sowie Knut Sondergaard wurden im Cabrio für eine Ehrenrunde gefahren, wobei man eine Gänsehaut bekam. Mehr als 4 Stunden dauerte die Vorstellung die mit einem Feuerwerk endete. Betäubt von einem solchen Ereignis gingen alle nach Hause.
Die Spiele:
Die Organisation, die Mitarbeiter und Helfer, der Transport und viele andere Sachen verliefen reibungslos und perfekt. Einige Mannschaften haben abgesagt, so dass kurz vor Beginn das Spielmodus neu gemacht werden musste. Diesmal wurde statt 4 Vierergruppen 2 Sechsergruppe aufgebaut und zu unserem Entsetzen wurden in unserer Gruppe folgende Mannschaften, die vor 4 Jahren platziert sind: 1. Italien, 3. Russland, 5. USA 7. BRD und dazu Fidschi Inseln und Ghana zugelost. Ghana konnte wegen Visumprobleme nicht kommen, so wurden alle Spiele kampflos gewertet. So mussten wir sehr kurzfristig auf die Gegner einstellen, was ja nicht so einfach war.
Erstes Spiel gegen USA:
Da fiel schon eine Vorentscheidung um eine gute Platzierung, gegen USA hatten wir in Rom noch klar mit 3 zu 0 verloren. Aber wir waren heiß auf unseren Gegner und wollten zeigen, wo es lang geht. Den ersten Satz gewannen wir mit 25 zu 14, wobei fast alles stimmte: Annahme, Spielaufbau und Angriff sowie Block. Das schockte wohl die Amerikaner, so dass sie auch im 2. Satz nie zu ihrem Spiel fand. Auch der Superangreifer der USA, der noch am selben Tag bei Beachvolleyball agiert hatte, hatte keine Chance gegen die gut aufgelegte deutsche Mannschaft. Den 2. Satz gewannen wir sicher mit 25 zu 17. Schnellangriffe und Außenangriffe, auch aus dem Rückraum, es klappte dank gut aufgelegten Steller Matthias Bork. Den 3. Satz führten wir schnell mit 18 zu 11, dann kam plötzlich die Schwächephase, wobei die USA mit 21 zu 20 führten. Wir nahmen in dieser kritischen Phase eine Auszeit, wechselten aus und gewannen dann noch mit 25 zu 23. Das war ein toller Auftakt.
Zweites Spiel gegen Italien:
Gegen Italien konnten wir noch nie gewinnen, diesmal wollten wir Paroli bieten und uns nicht so einfach geschlagen geben. Diese erfolgreiche Mannschaft hat sich kaum geändert und wie gehabt spielte der beste Steller der Welt immer noch mit. Schon am Anfang im ersten Satz hatten wir zuviel Respekt gehabt, so dass wir mit 7 zu 1 im Rückstand geraten. Viele leichte Fehler wurden da gemacht. Trotzdem sind wir immer wieder nah rangekommen. Wenn wir auf 1 oder 2 Punkte näher waren, schlichen dann die Konzentrationsfehler ein und die Italiener zogen wieder davon. 3 mal passierte das und letztes Ende mussten wir mit 25 zu 18 geschlagen geben. Aber dann im zweiten Satz zeigten wir, was wir können und haben stets geführt über 5 zu 0 hin bis 20 zu 17. Im Schlussspurt versagten die Nerven und dieser Satz wurde unnötig mit 25 zu 23 abgegeben. Die Italiener waren einfach cleverer und routinierter. Im 3. Satz wechselte ständig die Führung, durch Abgebrühtheit der Italiener verloren wir auch mit 25 zu 23. So klar wir mit 3 zu 0 verloren, spiegelte dies der Leistung nicht wieder, den wir hatten den Anschluss an die Weltspitze geschafft. Das knappe Resultat lässt viel hoffen.
Drittes Spiel gegen Ghana:
Kampflos mit 3 zu 0 für uns und dabei beobachten wir das Spiel USA gegen Russland, das Russland knapp mit 3 zu 1 gewann.
Viertes Spiel gegen Russland:
Das Spiel um alles oder nichts ums Halbfinale zu erreichen stand vor uns. Leider konnten wir die Leistung aus 1. und 2. Spiel nicht wiederholen. Im ersten Satz fanden wir nicht zu unserem Spiel, es gab kein Kampfeswillen und Aggression von uns, stattdessen waren die Russen heiß auf uns für die Niederlage bei EM zu rächen. Die Angreifer der Russen schlagen respektlos über unseren Block ins Feld, während wir zu ängstlich schlagen. Unser Steller Matthias Bork war an diesem Tag nicht in Form und unsere Angreifer konnten nicht so recht in der Szene setzen. Wir verloren den 1. Satz deutlich mit 25 zu 20. Im zweiten Satz konnten wir dann dagegenhalten und verloren unglücklich mit 27 zu 25. Wir hatten auch in diesem Satz nicht unsere optimale Form gefunden und trotzdem nur knapp verloren. Auch die Schiedsrichter waren öfters auf der Seite der Russen. Im dritten Satz starteten wir furios und führen klar mit 19 zu 14. Das war bis dahin unsere stärkste Phase. Plötzlich riss der Faden erneut und wir verloren wiederum knapp mit 25 zu 23. In diesem Spiel hatten wir zu viele Eigenfehler produziert, so dass der Gegner nicht so viel bemühen musste. Kaum zu glauben, dass wir mit unserer schwachen Form nur knapp verloren haben. Wenn die Tagesform gestimmt hätte, wären wir ins Finalrunde eingezogen. Im großen und ganzen hatten die Russen verdient gewonnen. Trotz dieser bitteren Niederlage hat unsere Mannschaft große Respekt von unseren deutschen Schlachtenbummlern erworben.
Fünftes Spiel gegen Fidschi Inseln:
Wir gewannen dieses Spiel klar mit 3 zu 0 ( 25 zu 7, 25 zu 7, 25 zu 11 ), man kann über dieses Spiel nicht viel berichten. Nur interessant war: die Mannschaft der Fidschi wärmten und schlugen sich extra in einer anderen Halle auf so dass niemand zuschauen konnte, was sie können. Bei manchen Spielen hatten sie den Ball erst berührt, als es angepfiffen wurde. Auch war das Spiel gegen sie am Netz oft mit Gefahr verbunden weil die Spieler des öfters ins gegnerischen Feld landeten. Kurz gesagt, das Volleyballspiel mussten sie noch lernen. Aber die Fidschi Inseln waren so nette Leute die uns nach Sport zu Essen und Unterhaltung eingeladen hatten und sogar eine Folklore-Tanz zeigten.
Spiel um 5. Platz:
Unser Ziel war, den 5. Platz zu holen um ins A-Kader zu rücken, wo man dann bessere sportliche Trainingsmöglichkeiten in Deutschland bekommen konnte. Unser Gegner war Finnland und diese Mannschaft darf man nicht unterschätzen. Sie waren kampfstark und hatten in ihrer Gruppenspiele mehrmals über 5 Sätze gehen mussten. Unsere Spieler zeigten echt Moral und Siegeswillen, nachdem man gegen die Russen verloren hat. Im ersten Satz stimmte alles, Aufschlag, Annahme, Zuspiel und Angriff. Vor allem die Aufsteigern klappen gut. Der erste Satz wurde mit klar mit 25 zu 12 gewonnen. Dann führten wir auch schnell mit 18 zu 11. Plötzlich gab es einen Bruch in unserer Mannschaft, leichte Fehler häuften sich und mit letzter Kraftakt konnten wir die Niederlage mit 29 zu 27 abwenden. Im dritten Satz war dann wieder eine klare Angelegenheit und gewannen mit 25 zu 15. Die beste Platzierung wurde endlich erreicht!
Fazit:
Die deutsche Mannschaft hat einen sehr großen Sprung nach vorne gemacht, den Anschluss zur Weltspitze geschafft, zeigte richtigen guten Volleyball und lässt viel für die Zukunft hoffen.
Die Spieler im Einzelkritik: Andreas Müller-Bothmann, Diagonalangreifer, zeigte eine konstante Leistung, in der Abwehr wie am Netz gut. Nicht mehr der tödliche Angreifer von früher, holte aber sehr viele Punkte.
Marko Sudy, Außenangreifer, unser größter deutsches Talent, zeigte eine konstante Leistung, manchmal etwas zu weich im Angriff, aber durch Übersicht oft wichtiger Punktesammler.
Andreas Lenzenwöger, Mittelblocker, zeigte ein hervorragendes Turnier, guter Blocker und Schnellangreifer, holte viele Punkte.
Matthias Bork, Zusteller, im ersten und fünften Spiel absolut perfekt, hatte gegen Russland leider nicht seinen guten Tag. Allgemein ein sehr guter, konstanter Steller, nur manchmal zu langsam.
Jochen Baisch, Außenangreifer, ein sehr guter, respektloser Angreifer, holte viele wichtige Punkte vor allem sein Sprungaufschlag war gefürchtet.
Tino Götting, Mittelblocker, ein sehr wichtiger Mann für Schnellangriffe, zeigte konstante Leistung, musst im blocken noch steigern, auch ein sehr großer Punktesammler.
Christian Schuhmann, Außenangreifer, ein guter Spieler, kann hart zuschlagen, Licht und Schatten wechseln aber häufig, er kann aber noch besser spielen.
Stephan Schäfer, Außenangreifer, zeigte gute Leistung und ist ein respektloser Angreifer und guter Abwehrspieler.
Martino Widmann, Mittelblocker, unser Nachwuchstalent, hat sich innerhalb 1 Jahr sehr gesteigert, wird noch besser werden, zeigte toller Einsatz für die Mannschaft.
Mathias Sommer, Zuspieler, ein hervorragender Spieler, immer voll da, wenn man ihn braucht, sein Schlitzohrigkeit ist gefürchtet.
Maciej Pochron, Diagonalangreifer, ein Spieler für die Zukunft, ein respektloser Angreifer, kann noch besser werden wenn er mehr konzentriert spielt.
Dominik Ridder, Libero, hat eine schwere Aufgabe, Bälle anzunehmen. Vor Deaflympics viel Licht und Schatten, zeigte aber während der Spiele eine sehr hervorragende Leistung, machte wenig Fehler. Hut ab vor ihm!
Trainer Christian Stebel und Alexander Böhner: Wir haben zwei hervorragende Trainer mit sehr großem Fachwissen, sie haben der Mannschaft viel beigebracht und vor allem Sicherheit, wie man richtig Volleyball spielt. Je länger sie mit der Mannschaft arbeiten umso sicherer kann der Erfolg kommen. Klar ist es wünschenswert, dass die Kommunikation noch viel besser werden soll. Einen großen Dank an die Mannschaft und Trainer, die so viele Entbehrungen ( 4 Lehrgänge zu je 4 Tagen, Deaflympics ) aufbringen mussten. Die Disziplin unserer Mannschaft war unsere größte Stärke, das war einfach toll. Wenn die Mannschaft so weitermacht, wird eine Medaille bei Deaflympics bald in Reichweite sein.
Bericht geschrieben von Dieter Wenig