Sandra Gluchy
Interview mit Sandra Gluchy (Co-Nationaltrainerin seit 2005)
Im 2005 warst Du als neue Indoor Co - Trainerin und neue Beach - Trainerin ausgewählt worden. Ist es in nächsten Jahren für die Doppellösung gut?
Ich freue mich erst einmal überhaupt darüber die Aufgaben im Gehörlosenverband übernehmen zu dürfen. Gerade weil es bei mir persönlich im sportlichen Bereich nicht so rund läuft (wegen vieler Verletzungen) macht es mir besonders viel Spaß als Trainerin zu arbeiten. Das ich in der Halle und beim Beachvolleyball dabei bin, sehe ich solange ich das zeitlich geregelt bekomme; als eine große Chance für mich. Ich kann in der Halle viel von Rudi lernen. Beim Beachvolleyball freue ich mich aber auch darauf, selbst die Verantwortung zu tragen.
Ist es vom DGS - Verband auch anerkannt, wenn Du bei den Länderkämpfen einer von 3 Trainern für die Damen - Nationalmannschaft Dich teilnehmen wirst? Nicht nur Deinen VB-Fähigkeiten, sondern die Gebärdensprache gut beherrschen. Könntest Du Dir vorstellen, auch für die Herren - Nationalmannschaft zu dolmetschen?
Ich gehe davon aus, dass wir bis zu den nächsten internationalen Wettkämpfen auf jeden Fall noch mit drei Trainern zusammen arbeiten. Es klappt sehr gut und mit dem Verband ist die Aufteilung so abgesprochen. Die Frage, ob ich für die Herrenmannschaft dolmetsche, stellt sich glaube ich nicht. In der Herrenmannschaft gibt es keine Probleme die Trainer zu verstehen. Ihr habt doch auch eine guter Regelung mit dem Dolmetschen.
Wie hast Du Dich beim Beach - EM in der Türkei beeindruckt? Das Ereignis zur Medaille war knapp vorbei. Worum geht es?
Für mich waren die ersten internationalen Meisterschaften als Trainerin schon sehr spannend. Es war rund herum ein tolles Erlebnis. Dass wir bei den Männern und den Frauen die Medaillen so knapp verpasst haben war sehr, sehr schade. Ich denke jedoch trotzdem, dass wir mit dem wenigen Aufwand (nur 3 Lehrgänge) in der Vorbereitung schon viel auf die Beine gestellt haben. Die Mannschaften, die vor uns stehen, haben viel mehr Möglichkeiten zu trainieren und im Sand müssen die Teams einfach sehr gut eingespielt sein. Dazu kommt, dass im Wettkampf der Druck und die Nervosität dazu kommt. Damit kann man besser umgehen, wenn man viel Wettkampferfahrung hat, und zwar im Sand und nicht in der Halle.
In diesem Jahr gibt es lediglich keine Beach - Lehrgänge. Bevor Beach EM `08 in Griechenland stattfindet, geht es gleich kurzfristig bei den Lehrgängen los. Oder planst Du Beach für dieses Jahr und 2007 schon irgendwie?
Ich finde es sehr schade, dass es dieses Jahr keine Beachvolleyball - Lehrgänge gibt. Ich glaube, dass wir konstant trainieren müssen, um uns zu verbessern. Das Niveau der besseren Teams, wie zum Beispiel Ukraine und Russland können wir ohne kontinuierliches Training nicht erreichen. Ich kann mir für dieses Jahr vorstellen, neue Spielerinnen zu sichten. Wir werden für die nächste EM ja wieder bei Null anfangen. Mein Wunsch ist es, dass möglichst viel im Sand bei Turnieren teilgenommen wird. Dann habe ich auch die Möglichkeit die Teams spielen zu sehen.
Bei den Deaflympics in Taiwan (Indoor und Beach) sollte es beim EM auch richtig qualifiziert werden. Falls es bei beiden Qualifikationen erfolgreich schafft, könnte es unter vielen Trainern eingesetzt werden. Hast Du daran schon nachgedacht?
Nein, habe ich noch nicht. Bis dahin ist noch so viel Zeit und wer weiß, ob sich auf Dauer überhaupt der Bereich Beachvolleyball etablieren kann. Bisher gibt es zu wenige Spielerinnen unter denen wir auswählen können. Es kann keine Lösung sein, dass die Hallenmannschaft geschwächt wird dadurch, dass die besten Spielerinnen für Beachvolleyball nominiert werden. Das wird auch vom Verband nicht unterstützt.
Wäre es nicht einfach, wenn 4 Beachspieler/Innen für den Deaflympics nominiert werden, um Indoor verzichten zu sollen?
Wie ich schon gerade gesagt habe, glaube ich nicht, dass wir momentan nicht genug leistungsstarke Spielerinnen haben, um eine solche feste Unterscheidung treffen zu können. Natürlich wäre das schön. Vielleicht gibt es ja bald genug guten Nachwuchs.
Was für ein Unterschied ist das Training zwischen Indoor und Beach?
Als erstes erst mal das Wetter. Wir haben letztes Jahr bei den Lehrgängen nicht immer Glück gehabt und gerade in Deutschland kann man sich nicht immer auf schönes Wetter verlassen. Die Spieler müssen lernen mit dem Wind, mit der Sonne, mit dem Regen zu spielen. Man muss viele verschiedene Techniken beherrschen und zur richtigen Zeit anwenden können. Wenn man im Angriff nicht variabel spielt, sondern immer nur feste angreift oder den Aufschlag immer gleich macht, dann spielt man eigentlich Hallenvolleyball im Sand. Natürlich ist der größte Unterschied der, dass man nur zu zweit spielt. Das bedeutet auch, dass man viel zu zweit trainieren muss. Man muss sich abstimmen und im Hörendenbereich, wird viel gerufen während des Spiels. Das geht bei Gehörlosen nicht. Beachvolleyball hat ganz eigene Taktiken. Deshalb muss im Training auch viel erklärt werden, warum man wann was spielen sollte.
Du bist als Realschule - Lehrerin für Hörgeschädigte in Dortmund. Ist es dort für Volleyball viel gefördert?
Ich wollte letztes Schuljahr eine Volleyball AG ins Leben rufen. Leider ist das Interesse für Basketball und natürlich Fußball viel größer, weil es dort Landesmeisterschaften gibt und Turniere, für die man fürs Finale sogar nach Berlin fahren kann. Der Anreiz für die anderen Sportarten ist dadurch viel größer und deshalb musste ich die AG wieder streichen. Ich werde es aber nächstes Jahr wieder probieren. Vielleicht klappt es ja dann.
Erzähle mal Deine früheren und jetzigen volleyballerischen Aktivitäten?
Also, ich habe mit 13 Jahren angefangen in der Schul-AG Volleyball zu spielen. In meinem ersten Verein in Hohenlimburg habe ich gespielt, bis wir erfolgreich in die 2. Bundesliga aufgestiegen sind, dann aber wegen finanzieller Probleme nicht spielen konnten. Damals habe ich im 3.Semester an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Die Mannschaft hat sich aufgelöst und alle Spielerinnen haben sich verteilt. Ich bin damals in der 1.Bundesliga in TSG Tübingen gelandet. Dort bin ich nur eine Saison geblieben und habe dann weiter in Köln studiert und nebenbei in der 2. Bundesliga in verschiedenen Vereinen gespielt (Kreuzau, Bayer Leverkusen). Im 9.Semester habe ich in Amerika in der Uni-Mannschaft gespielt in Savannah, Georgia. Nach meinem Studium bin ich zum Starnberger See gezogen und habe dort in der 2. Liga Süd gespielt. Beruflich musste ich dann nach Dortmund. Mein Referendariat habe ich an der Gehörlosenschule in Hacheney gemacht. Neben der Schule habe ich in Olfen (2. Liga) gespielt. Seit 2003 bin ich an der Realschule für Hörgeschädigte und spiele in Iserlohn in der Regionalliga seit 3 Jahren um den Aufstieg. Leider sind wir wieder nur 2. und werden es wohl wieder nicht schaffe. Beachvolleyball spiele ich ca. seit 1997. Ich habe viel über das Training in der Sporthochschule gelernt, da ich Volleyball und Beachvolleyball als Schwerpunkt in meinem Diplomstudiengang gewählt hatte. Meine Partnerin und ich wollen dieses Jahr noch mal um die Westdeutsche Meisterschaft mitspielen und fahren über Ostern nach Bellaria, (Italien) ins Beach- Camp. Wer dazu auch Lust hat (www.beachklassiker.de) kann über Ostern noch mitfahren. Ich werde dort das Jugendtraining leiten und selbst bei den Damen mittrainieren.
Wie findest Du unsere 2 Homepages (Indoor und Beach)?
Ich finde die Homepage für die Halle gut gemacht. Zum Teil könnte sie aktueller sein, aber ich schaue immer wieder gerne dort vorbei. Beach - naja. Vielleicht passiert dort ja im Sommer wieder mal mehr.
Reporter Matthias Bork