Josef Scheitle

Josef Scheitle, dürfen wir von der Sparte Volleyball Sie im Frühjahr mit 8 Fragen ein Interview führen?

Selbstverständlich und ich mache es gerne!

Warum sind Sie nicht mehr aktiv im Deutschen Gehörlosen Sportverband? Wir schätzen Ihre ausgezeichnete und unermüdliche Arbeit im Verband und in der Öffentlichkeit. Warum könnte man Sie auch nicht zum Präsident befördern?

Die Delegierten auf dem Verbandstag (November 2007) haben sich mit der Mehrheit anstatt für Birgit Hermann, für Karl-Werner Broska entschieden und ich war mit Broskas Führungsstil nicht einverstanden, da von ihm ehrlich gesagt keine ausgezeichnete und unermüdliche Arbeit zu sehen war und in der Wahlvorbereitung war keine Offenheit und außerdem wurden von ihm anstatt Qualität von Mitarbeitern ein “Freundeskreis” zusammengestellt, die alle zu ihm stehen und da kann man keine Sportpolitik betreiben und in dieser Situation ist es auch besser man tritt zurück als sich dauernd in seinem Kreis herumzuärgern. Ausführliche Gründe sind auch in der Homepage http://www.bg-sv.de/ zu lesen.

(Anmerkung der Aktivensprecher: http://www.bg-sv.de/DGS_VT_07.htm)

Dies empfinden wir als einen großen Verlust, indem Sie als einen großen und kontaktfreudigen Mann, der 4 Jahre lang im DGS-Leistungsausschuss regierte, uns stets den Rücken im Bereich Hallenvolleyball und Beachvolleyball stärkte und uns am Ende ohne Worte verließ. Seit kurzem wurde der Leistungsausschuss von neu gewähltem Vize-Präsident Ivan Rupcic übernommen. Kann sich unsere Sparte Volleyball weiterhin darauf verlassen?

Ich war mit Leib und Seele in den letzten 4 Jahren dabei und musste nach dem Zusammenbruch des DGS als wir vom BMI keine Fördermittel mehr bekamen im Leistungssport zusammen mit der neuen Sportdirektorin Sabine Grajewski neue härtere Reformen aufstellen und dies war für manche Sparten und Sportler ungewöhnlich und das Ergebnis lässt sich sehen, dass unsere gehörlose Spitzensportler in Deutschland auf der ganzen Welt noch mithalten können und bei Hallen- und Beachvolleyball haben eure Trainer die Linie konsequent durchgezogen und daher hat es mir auch viel Spaß und Freude gemacht mit euch zusammenzuarbeiten. Entschuldige mir bitte den Vorwurf, dass ich euch ohne Worte verlassen habe, werde ich nicht ganz so tun und euch bestimmt als Fan noch beistehen. Das ich „ohne Worte“ aufgehört habe lag auch daran, dass ich die Art und Weise bis heute nicht gut nachvollziehen kann, wie es bei der Wahl abgelaufen ist. Es waren viele Dinge einfach für mich nicht mehr tragbar. Da sollte man konsequent handeln.
Ob der Verlass mit dem neuen Vize- Präsident Ivan Rupcic auch gegeben ist, wird sich die Zeit zeigen, so wie es einmal war wird es nicht mehr, denn ich war täglich in der Geschäftsstelle mit den Mitarbeitern am Ball und er muss draußen seiner geregelten Arbeitszeit nachgehen, außerdem geht er selbst noch seinem Spitzensport nach und daher verstehe ich es nicht, wie man dann ein solches Amt annehmen kann, wenn der Tag auch nur 24 Stunden hat.

Angesichts des silbrigen Erfolgs bei der Europameisterschaft in Kortrijk/Belgien in den vergangenen Jahren bangt unsere Herren-Nationalmannschaft um die Teilnahme an der ersten Weltmeisterschaft in Argentinien dieses Jahres. Haben Sie den DGS-Verantwortlichen dafür gebeten, um diese WM für uns zu realisieren?

Aufgrund des hervorgegangenen Abschneidens bei der EM, war es für mich ein “muss” und ein Verdienst euer Sportler an der kommenden WM in Argentinien teilzunehmen und dies wird auch realisiert, denn die Anmeldung dazu habe ich bei der ICSD im vorigen Jahr schon abgegeben und trägt auch meine Handschrift und auch die Flüge wurde schon in meiner Zeit reserviert und wenn da noch was schief gehen sollte, dann liegt es bestimmt nicht an mir.(Anmerkung der Aktivensprecher: Angeblich hat der Verband uns vor kurzem positiv signalisiert, dass die Herren-Nationalmannschaft zur WM nach Argentinien im kommenden August geschickt wird.)

Eine spezielle Frage von uns: Wenn Sie im Amt geblieben wären, dürften dann einige Hallen-Spieler aus unserer Herren-Nationalmannschaft im Prinzip Beachvolleyball bei der Deaflympics Taipeh 2009 mitmachen?

Darüber haben wir auch diskutiert und sind zu einer Lösung gekommen. Bitte nimmt euch zu verstehen, dass wir nur eine kleine Anzahl von Spitzenspielern haben, können wir auch nur ganz vorsichtig zweigleisig fahren und da für die Deaflympic nur 2 Spieler von der Halle abgestellt werden, werden Stebel und Böhner schon die richtigen Spieler zum Beach zuordnen. Bitte akzeptiert das auch, denn ihr habt zum Glück in Christian und Alexander ein wunderbares erfolgreiches Trainergespann.

Warum wurde nicht schnell entschieden, ob das jüngste Beach-Duo Magdalena Ochsenbauer/Doris Bednarek ein Ticket für die Deaflympics aufgrund der hervorragenden Platzierung bei der EM Griechenland (4. von 16.Plätzen) erhält?

Nachdem die Frauen Hallen Volleyball Nationalmannschaft zurzeit ruht, bis wieder eine neue Mannschaft aufgebaut werden kann, ist es da kein Problem ein Beach-Duo nach den Erfolgen bei der EM nach Taipeh zu schicken. Nur ist es nicht möglich den beiden Magdalena Ochsenbauer/Doris Bednarek dafür gleich ein Ticket auszustellen, denn dazu müssen sie sich auch an den Leistungssport Konzept halten und sich mit der Zeit immer wieder leistungsmäßig bewähren und die Trainerin Sandra wird im Jahre 2009 schon das richtige Duo mitnehmen.

Erzählen Sie uns, wie Sie Ihr sportliches Leben bis zum hohen Posten als Vizepräsidenten geschmückt haben. Hatten Sie mal große Erfolge in irgendwelchen Disziplinen? Was machen Sie derzeit beruflich?

Sportlich gesehen, gab es früher im Gehörlosensport keine so große Auswahl um Sport zu treiben und in Augsburg konnte ich in meinen jungen Jahren nur zwischen Leichtathletik- Kegeln und Fußball wählen und so spielte ich bis zu meiner schweren Verletzung Fußball und machte damals auch den Trainerschein und seit meinem 17. Lebensjahr bekleidete ich durchgehend über 40 Jahren fast alle Vereins und Verbandsämter und noch heute und zwar konnte ich meine Erfahrungen in einem Großverein und in einem großen Verband erwerben und dies wusste unser ehemaliger Präsident Hubert Wilhelm und bat mich im DGS mit zu arbeiten auf diesen Posten. Beruflich gehe ich meinen Job im Jugendbüro des dgsj als Jugendsekretär nach.

Was wünschen Sie unserer Sparte Volleyball und Beachvolleyball für die Zukunft? Würden Sie gerne als Volleyball-Fan uns irgendwann wieder zuschauen oder für eine Weile bei einer Meisterschaft mitspielen?

Ich wünsche mir, dass alle die bei der EM dabei waren und der Lenzenwöger noch dazu weiterarbeiten und in Buenos Aires gut abschneiden und in Taipeh werde ich zusammen mit einer großen Jugendgruppe des dgsj als Volleyball-Fan sicherlich euch anfeuern. Mitspielen bei einer Meisterschaft wird nicht gehen, denn da müsste ich zuerst 30 Kilos abspecken.(lach)

Wir würden uns freuen, wenn wir Sie in der Öffentlichkeit begrüßen dürfen. Vielen Dank für das Interview. Die gesamte Sparte Volleyball bedankt Ihnen mit großen Herzen für Ihre wunderbare und volle Unterstützung in den vergangenen 4 Jahren.

Auch ich bedanke mich für das nette Interview und bedanke mich ebenso für die 4 letzten schönen Jahre und ich werde Euch alle nicht vergessen, denn wir waren eine wunderbare Truppe.

Reporter Martin Widmann

Nach oben...