Wolfgang Schellinger
Interview mit dem Bundestrainer Wolfgang Schellinger (Nationalmannschaft Damen)
1. Seit 1988 bist Du Herren - und Damen Trainer beim DGS. Schon 16 Jahren lang. Unglaublich. Hast Du nicht gerechnet, für Gehörlose schon lang zu arbeiten?
Als ich 1988 meinen ersten Einsatz mit dem Zug nach Sofia hatte, hätte ich nie gedacht, dass diese Zusammenarbeit so lange dauern wird.
2. Wie wurdest Du als Trainer beim DGS in 1988 geholt?
Der damalige Fachwart Gissmann stand eines Tages bei mir in Straubing in der Halle und fragte mich, ob ich Interesse an diesem Traineramt hätte. Er hatte wohl gehört, dass es da in Bayern einen A-Trainer gibt, der Bundesligaerfahrung hat und an einer Hörgeschädigtenschule unterrichtet.
3. Bis nach den Deaflympics in Kopenhagen 1997 war Dein Mittrainer Peter Meindl entlassen. Dann warst Du zu Damen - Trainer gewechselt. Hast Du schon gedacht, als Herren - Cheftrainer gern zu werden?
Mit der Silbermedaille bei EM in Bozen haben wir eigentlich das erreicht, was möglich war. Beim Hörenden-Volleyball bin ich ja meist im weiblichen Bereich tätig, deshalb wollte ich eigentlich schon die Damen übernehmen. Ich habe zwar schon einmal zwei Jahre Männer in der Zweiten Liga erfolgreich trainiert, doch fühle ich mich mehr bei den Damen zuhause.
4. Welche schönste Erfolg und Erlebnisse hast Du im DGS?
Wie gesagt, die Silbermedaille in Bozen war sicher ein Höhepunkt. Doch auch der eine oder andere Sieg bei den Männern und Frauen gegen starke Teams aus dem Osten hat viel Spaß bereitet.
5. Seit 1997 hast Du auch keine Medaille von der Damen -Nationalmannschaft gebracht. Worum geht es?
Die Mannschaft ist überaltert. Junge Talente sind weit und breit nicht in Sicht. Im Moment tut sich zwar etwas zum Positiven, doch bis diese Mädchen soweit sind, dauert es noch ein paar Jahre. Neidisch schaue ich da auf die Männer, die jede Menge junge, große und sportliche Talente gefunden haben. Da frage ich mich: Gibt es so etwas bei den Frauen nicht? Wo sind denn große Jugendliche, die bereit sind, wenigstens einmal zu einem Lehrgang zu kommen. Ich hätte sie wenigstens einmal gesehen und mit ihnen gesprochen. Überzeugen könnte ich sie schon, dass sich das Leistungstraining lohnt.
6. Und die Damen werden während der Deaflympics in Melbourne zu Hause bleiben wegen der schlechten Leistungen und finanziellen Gründen. Was muss alles in die Zukunft verbessern werden?
Das ist schwer zu sagen. Ich wüsste schon, wie man mit Talenten umgeht und wie man sie ausbildet. Doch dazu müsste man sie einfach einmal finden und zum Lehrgang schicken. Was sich in der Leitung des Fachgebietes Volleyball ändern müsste, dafür bin ich nicht zuständig und verantwortlich. Ich wäre allerdings gerne bereit an neuen Strukturen mitzuarbeiten. Wir brauchen neue Wege und neue Visionen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das eine Person alleine bewältigen kann. Da ist schon ein Team gefragt. Es müssen z.B. Stützpunkte entstehen, an denen Jugendliche regelmäßig betreut, ausgebildet und beraten werden.
7. Seit langen bist Du als Lehrer in der Schwerhörige? Schule in Straubing. Damals wurden viele Jugendliche vom GSV Straubing gut gefördert und viel Erfolg bei der Jugendmeisterschaft gebracht. Jetzt ist es nicht mehr oder selten, warum?
Unser Internat ist so gut wie geschlossen. Die ganze Woche über sind kaum mehr Gehörlose im Wohnheim. Die meisten fahren sofort nach der Schule mit den Schultaxis heim. Da bleibt keine Zeit mehr für Arbeitsgemeinschaften.
8. Beim Hörenden bist Du für den Trainer schon bekannt. Damals hast Du der hörenden Damenmannschaft bis zum 1. Bundesliga geschafft. Und immerhin oberste Niveau trainiert. Sowie einige Erfolge bei der Jugendmeisterschaft. Was machst Du heute im Volleyball eigentlich? Immer noch Erfolg?
Da hat sich nicht viel geändert. Im Moment spiele ich hier in Straubing mit einer sehr jungen Mannschaft (19-20 Jahre) in der Zweiten Bundesliga. Als Aufsteiger sind wir auf Platz vier der 13er Staffel und haben alle drei Teams vor uns bereits einmal geschlagen. Alle Mädchen sind aus meiner Jugendarbeit. Letzte Saison sind wir mit unserer B-Jugend beim Deutschen Finale Vizemeister geworden und haben drei Bundesstützpunkte mit Sportgymnasium hinter uns gelassen.
9. Du warst früher als Volleyballer aktiv. Welche Position und Liga hast Du gespielt?
Als Aktiver habe ich bis zum 30ten Lebensjahr Oberliga und Regionalliga gespielt, natürlich als Zuspieler. Nach einem Kreuzbandriss habe ich dann als Aktiver aufgehört, meine alte Mannschaft aber später noch aus alter Liebe in der Zweiten Liga betreut.
10. Wie findest Du unsere Homepage?
Gratuliere zu dieser Einrichtung. Wenn im Gehörlosensport alles so gut funktionieren würde, hättet ihr keine Sorgen. Super!! Weiter so!!
Reporter Matthias Bork