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Stephan Schäfer



Interview mit
Stephan Schäfer (Nationalspieler)

1. Als Du jung warst, wurdest Du schon beim Volleyball Schulinternat – Turnier in Essen entdeckt. Aber du warst immer verzögert, weil Du am liebsten anderen Sportarten triebst. Welche Sportarten?

Ja, die schöne, alte wilde JUGENDZEIT … ;o) (Wo man alles auf einmal machen musste! *fg* ) Bevor ich mich aber ganz dem Volleyball widmete, hatte ich schon unzählige Sportarten hinter mir … Dazu gehörte die Ausübung von Sportarten wie Motocross, Fussball, Tennis und Basketball, wobei ich beim letzterem nur im Gehörlosensportverein aktiv war. D. h. es gab in der Jugendzeit Phasen, wo ich alle drei Sportarten wie Fussball, Tennis und Basketball gleichzeitig spielte. Hieraus lässt sich auch ableiten, warum ich mit dem Volleyballspielen so spät anfing! Denn von welcher Sportart will man sich trennen, wenn man in allen dreien ziemlich erfolgreich ist und dann in eine völlig andere Sportart eintritt, um wieder von vorne anzufangen? Da mir dass Volleyballspielen aber letztendlich so viel SPAß machte (Auch Dank MABO), kam der Entschluss von ganz alleine, einen radikalen Schnitt zu machen: Die Trennung von allen anderen Sportarten. Man kann ja schlecht mit zunehmendem Alter auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen! ;-)

2. Danach machtest Du im Ernst für Volleyball und tratest zuerst beim GTSV Essen ein sowie etwas später beim hörenden Training gemacht. Zugleich brachte es Dir viel Erfolg dafür sowie Nationalmannschaft – Normierung. War Volleyball richtig für Dich?

Mit der Frage, ob Volleyball das RICHTIGE für mich ist aufgrund meiner Erfolge mit GTSV Essen sowie der Nominierung in die Nationalmannschaft, kann ich leider nichts mit anfangen! Denn wenn es mir nur darum ginge, hätte ich gleich NICHT mit dem Volleyballspielen anfangen dürfen, da ich mit 14 Jahre im Tennis sowie 15 im Basketball schon für Lehrgänge der Nationalmannschaften des DGS nominiert wurde und teilnahm! So ging es mir letztendlich gesagt nur um den Faktor SPAß, wobei hier auch der Erfolgsfaktor eine gewisse Rolle spielen sollte.

3. Normalweise wurdest Du bei EM 99`in Moskau nominiert. Aber Du hast Dich für Abitur entschieden. Nach dem Abitur gingst Du zum Studium in Köln. Was machst Du dort eigentlich? Was wünscht Du Dir die Zukunft im Beruf?

Ja, nach dem ABITUR ging’s sofort nach KÖLLE zur Deutschen Sporthochschule, wo ich zur Zeit im 9. Semester studiere und mein Diplom als Sportwissenschaftler des Schwerpunktes Ökonomie & Management sowie der B-Trainerlizenz im Beach- inklusive Volleyball anstrebe. Gleichzeitig zum jetzigen Wintersemester läuft mein Zweitstudium parallel zur Sportwissenschaften an der UNI Köln zum Sonderpädagogen in Hören & Kommunikation für den gymnasialen und gesamtschulischen Bereich an. Hieraus lässt sich auch schon die Schlussfolgerung für den Traumberuf ziehen: Gehörlose Schüler von der 10. bis zur 13. Klasse in den Fächern Sport und BWL unterrichten zu können …

4. Für Dich war es zum erstenmal ein Höhepunkt beim Deaflympics in Rom gewesen. Welche Erlebnisse hattest Du dort?

Da ich erst ein Länderspiel auf’m Buckel hatte als wir uns auf dem Weg zu den Deaflympics nach Rom machten und es dann noch als Stammspieler beginnen durfte, ging ein unglaublich geiles Gefühl durch die Haut … <;-) Da wir im Viertelfinale leider gegen dem späteren Deaflympics-Sieger Italien 3:0 verloren hatten, war es trotzt’ALLDEM ein Traum, in einer unglaublich tollen Kulisse und Halle vor etwa 1.000 fanatischen Fans spielen zu dürfen!!! Wer kann so etwas schon mal im Leben vorweisen … Auch wenn das Ergebnis mit Rang 7 nicht so doll ausfiel, war es eine tolle Erfahrung, bei den Spielen dabei gewesen zu sein!

5. Bei Deinem 1. EM in München hast Du Bronze gleich geholt. Hast Du es so nicht erwartet, oder?

JEIN … Aber es ist doch kaum zu TOPPEN, wenn ich bei meiner ersten EM gleich BRONZE ergattern konnte (Wovon andere ihr ganzes Leben lang träumen) und das dann noch bei uns DAHEIM! Und gar nicht zu vergessen: Das Spiel um Platz 3 mit allen Höhen und Tiefen, das an Dramatik kaum zu überbieten ist (Sollte Hollywood einen Film darüber machen, sind uns schon einige OSCAR’S sicher! *grins* )! Ebenfalls die Halle, Fans, Mitarbeiter (SPITZENmäßig) ... waren einfach SUPER, so dass wir ja nicht mit leeren Händen Heim gehen konnten! ;-) Man träumt natürlich immer davon, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, aber wenn man ganz ehrlich sein soll, waren die Italiener und die Ukrainer in dieser Zeit eine Klasse für sich, die für Gold und Silber in Frage kamen. Das wir dann noch hinter ihnen den 3. Platz erreicht haben, ist hoch anzurechnen, da Russland als 3platzierter die Deaflympics abschloss.

6. Die Nationalmannschaft hat zur Zeit eine tolle Mischung zwischen Ältern und Jüngeren. Inzwischen ist es aber 9 Jahren Unterschied, worauf die Älteren die Nachwüchse jahrelang warten mussten. Du bist im Moment ältesten Jüngeren, der vielleicht für die Zukunft führt. Was denkst du weiter daran?

Wichtig ist es, schon jetzt immer nach dem Nachwuchs Ausschau zu halten, damit wir nicht nochmals einen Unterschied von 9 Jahren WETTMACHEN müssen und somit dementsprechend mehr Alternativen besitzen! Aber so lange die Leistung als QUALITÄTSfaktor gesehen wird, spielt das Alter keine Rolle … Und da ich im Moment der ÄLTESTE von den JÜNGEREN bin, versuchen wir natürlich, Euch das Leben um die Stammplätze so HEIß und SCHWER wie möglich zu machen! *LOL* Denn auch ihr sollt ja nichts an Leistung einbüßen …

7. Bald kommt Deaflympics in Melbourne/ Australien. Seit 1981 wurde es noch keine Medaille überhaupt gebracht. Glaubst Du an größte Erfolg im nächsten Jahr?

Wie gesagt, im Moment haben wir eine tolle Mischung aus erfahrenen Leuten und dem Nachwuchs, die auch in der Lage sind, in kritischen Momenten ihr volles Leistungspotenzial auszuschöpfen … Man merkt, dass wir alle HEIß auf die Spiele sind und da ein großer Konkurrenzkampf herrscht, ist positiv anzumerken, dass der größte Teil der Spieler in Mannschaften der OBERLIGA spielt. Der eine oder andere drüber oder drunter, was früher oft nicht der Fall war. Die Frage, ob wir endlich Erfolg haben, hängt von so vieles ab, dass ich mich hierbei nicht so weit aus dem Fenster lehnen möchte. ABER: Es ist gar nicht so UTOPISCH einen Treppenplatz zu erreichen und ich denke, es sind langsam mal andere Nationen dran, die Deaflympics zu gewinnen, wozu auch unsere Mannschaft zu den heißesten Kandidaten gehört. Hierbei ist zu beachten, dass man Italien und die Ukraine nie abschreiben darf und sie immer noch als die Mannschaften gesehen werden, die es zu schlagen gilt! Da Volleyball auch nur ein Spiel ist, das von Menschen gespielt wird, kann an einem Tag alles MÖGLICH sein, wenn man Faktoren wie Leistung und FORTUNA auf seiner Seite hat! Kleiner HINWEIS: Macht man einen Abstecher in die Statistik, hat seit den letzten drei Deaflympics keine Mannschaft mehr ihren Titel erfolgreich verteidigt! Sind das nicht tolle Voraussetzungen? ;-)

8. Du spielst Beach Volleyball unheimlich gern und sehr gut. Wenn Beach Nationalmannschaft vom Deutscher Gehörlosen Sportverband anerkannt wird, dann wirst Du Dich verzweifelt, ob Du mehr für Indoor oder Beach Dich entscheidest?

In erster Linie spiele ich unheimlich gerne Volleyball, ob ich mich dann mehr dem Indoor oder Beach widme, lässt sich jetzt noch nicht so einfach sagen. Da hier die Abweichung von der eigentlichen Sportart nicht so groß ist wie als wenn ich z. B. Tennis und Tischtennis nebenbei spielen würde, lässt sich ja vielleicht auch der zeitliche Rahmen so einrichten, dass beide Sportarten ausgeübt werden können (Auch in der Nationalmannschaft) bis natürlich auf die Deaflympics. Das ist ja auch das tolle hierbei! Aber soweit will ich vorerst gar nicht schauen, denn bis dahin kann sich ja noch eine Menge ändern …

9. Nachdem Du vor einem Jahr von GTSV Essen zu GSV Düsseldorf gewechselt, hast Du sofort einen Erfolg als Deutsche Pokalsieger gehabt. Was hast Du die Zukunft damit vor?

Natürlich weiterhin erfolgreich sein und alle Titeln absahnen! Insbesondere vor Dir!!! *lach* Aber im Ernst, was gibt es schöneres bei einem Vereinswechsel gleich beim ersten Turnier im Finale den alten Verein zu besiegen und somit den größten Erfolg in der jungen Geschichte des GSV Düsseldorf feiern zu können? *grübelgrübel* Damit dies keine Eintagsfliege bleibt, ist es mir erstmals wichtig, Nachwuchs zu finden, aufzubauen und in die Mannschaft zu integrieren. Denn auch wir haben in Düsseldorf das altbekannte Problem von Gehörlosenmannschaften, dass viele die 35 ansteuern bzw. nah am Karriereende sind und kein Nachwuchs in Sicht ist!

10. Wie findest Du unsere Homepage?

Da bleibt JA einem die Spucke weg … ;-) Einfach KLASSE!!! Ansonsten bietet sich das FEEDBACK an … (gElLe Tino?) *lach*

Reporter Matthias Bork

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