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Dieter Wenig



Interview mit Dieter Wenig (technischer Leiter und ehemaliger Nationalspieler)


1. Du bist tätig als Technischer Leiter für Sparte Volleyball und der 2. Ex-Nationalspieler nach Jürgen Hofmeister, der dieses Amt macht. Ist es schön und wichtig, immer noch mit der derzeitigen Nationalmannschaft verbunden zu sein?

Ja, es ist schön und wichtig mit der Nationalmannschaft , noch mehr ist es schön, mit allen Volleyballerinnen und Volleyballern bei Meisterschaften verbunden zu sein. Diese Sportart Volleyball verbindet und fördert Freundschaften. Das ist eine eigene Kultur und man kann damit viel erleben.

2. Kannst du dir vorstellen, irgendwann mal als Verbandsfachwart im Volleyball zu werden?

Hm, das weiß ich nicht. Ich bewundere wirklich alle Leute, die ehrenamtlich arbeiten. Ich bin zufrieden mit dem, was ich mache. Bürokratie mag ich nicht so sehr und als Verbandsfachwart sollte man dies mit Freuden machen. So weit bin ich noch nicht. Ich bin zu sehr Sportler, um im Büro zu verstauben. Eher habe ich Interesse, nur für Beachvolleyball zu arbeiten. Gerhard macht als Fachwart seine Arbeit sehr gut, wir können zufrieden mit ihm sein.

3. Unglaublich: du bist schon über 45 Jahre und immer noch aktiv im Volleyball. Wie lange noch?

Ja, ich bin schon über 47 Jahre alt und mache so lange weiter, wenn ich das Gefühl habe, mein Körper macht das noch mit. Volleyball ist ein so schöner Mannschaftssport, da kann man nicht aufhören. Neben Volleyball mache ich noch andere Sportarten. Bei mir gilt die Devise: Sport hält jung und nicht Sport ist Mord. Es ist aber wichtig, das man genau weiß wie viel man Sport macht und was man sich selber zumuten kann.

4. Du bist der erfolgreichster Volleyballer Deutschlands und hast mit deinen Ex-Verein GSC Nürnberg 13 Deutsche Meistertitel geholt. Woran erinnerst du dich jetzt?

Ingesamt habe ich mit Nürnberg 13 DM, 6 PM und mit Düsseldorf 1 PM, 1 MP geholt, das ist viel. Ich könnte ein Buch darüber schreiben, so viel habe ich erlebt. Alle Siege und auch alle Niederlagen, die zum Glück nicht so viel waren, sind noch in guter Erinnerung. Mein 1. DM-Titel mit Nürnberg war unglaublich schön, weil wir als Außenseiter den hohen Favoriten Bonn klar mit 3 zu 0 geschlagen haben.
Vor diesem Titel gab es auch Bayerische Meisterschaften, München war als 2-facher Titelträger Favorit und wir hatten bei Hin- und Rückspiele zweimal einen 0 – 2 Rückstand aufgeholt. Das war der Anfang einer erfolgreichen Ära. Alles was wir erreicht haben, war absolut super. Uns wurde nichts geschenkt. Auch sehr gut erinnere ich mich an den Erfolg bei Punktespielen mit Hörenden, weil wir als gehörlose Mannschaft zweimal hintereinander aufgestiegen sind und beim 2. Aufstieg die ganze Saison ungeschlagen waren. Ach, es gibt soviel zu erzählen, ich höre jetzt auf damit………

5. Damals spielst du nicht nur Volleyball für Deutschland, sondern auch Fußball. Warst du irgendwie hin- und hergerissen?

Ja klar, ich war immer total hin- und hergerissen, ich liebte beide Sportarten sehr. Auch jetzt spiele ich immer noch Fußball. Bei Hörenden wie bei Gehörlosen. Damals war Fußball die Nummer 1, als Torwart konnte ich immer fliegen. Als ich mit Volleyball angefangen habe, bin ich am Anfang auch so viel geflogen und als dann der Erfolg da war, spielte ich immer Volleyball und Fußball. Wenn an einem Tag beides stattgefunden hat, habe ich mich für schwieriges und wichtigeres Spiel entschieden ob Fußball oder Volleyball. Das war oft nicht so einfach, eine Mannschaft war froh und die andere hat sich geärgert und umgekehrt. Manchmal konnte ich an einem Tag beides machen, so verrückt war ich. Da erinnere ich mich an einem Tag in Straubing, wo ich mit Nürnberg die DM im Volleyball geholt und vorher mit Straubing ausgerechnet gegen Nürnberg Fußball siegreich gespielt habe. Die Halle und der Fußballplatz war ganz nebeneinander. Als Fußballnationalspieler habe ich aufgehört, als man mich gebeten hat, für Deutschland eine neue Volleyballnationalmannschaft aufzubauen. Das war nach den Weltspielen in Köln 1981. Beim 1. Sieg in der Geschichte Sparte Volleyball war ich dabei. So erfolgreich wie im Verein war ich bei der Nationalmannschaft im Fußball und Volleyball leider nicht. Da hat vieles nicht gestimmt. Trotzdem habe ich mein bestes gegeben und viel erlebt.

6. Gibt es ein Unterschied der Leistung von Damen- und Herrennationalmannschaft von heute und früher?

Ich würde keinen Vergleich machen, da sich mit der Zeit sich vieles ändert, besonders die Regeln und die Bälle beim Volleyball. Wir hatten früher viele großartige Mannschaften und auch viele gute Spielerinnen bzw. Spieler. Sie würden ohne Mühe auch heute sehr gut mitspielen können, der beste Beweis ist der GSV Zwickau, die in diesem Jahr trotz einer alten Mannschaft den Pokaltitel geholt haben. Da kann man sich vorstellen wie stark sie vor 10 oder mehreren Jahren waren.
Zur Nationalmannschaft: bei Damen war die Leistung früher sicher besser als heute, wir hatten viele Vereine und auch viele gute Spielerinnen .Die Bank war besser besetzt. Heute ist das nicht mehr so weil die Konkurrenz nicht mehr so groß ist. Es fehlt auch an Nachwuchs. Um eine starke Nationalmannschaft zu haben, muss man 12 gleichwertige Spielerinnen haben und das ist bei den Damen vorerst nur ein Traum.
Bei Herren: die Entwicklung von damals und heute ist bei Herren gut zu sehen: damals wurde wenig Schnellangriffe und Rückraumangriffe gemacht. Auch Sprungaufschlag war nicht so oft vorhanden. Das alles hat die jetzige Nationalmannschaft schon im voraus. Auch die Chemie innerhalb der Mannschaft stimmt, was bei früheren Auswahlspielern nicht der Fall war. Auch haben wir zur Zeit eines der stärksten Trainergespann aller Zeiten. Das wirkt auf jeden Fall auf die Leistung der Nationalmannschaft aus. Vor allem ist die Bank großartig besetzt, wenn ein Spieler reinkommt, dann ist die Mannschaft nicht geschwächt. Allerdings muss ich sagen, dass wir damals auch sehr viele, gute und großartige Spieler, die aber nicht das Glück hatten was wir heute haben, ein gutes Umfeld. All diese Spieler würden auch jetzt sehr gut mithalten und der jetzigen Nationalmannschaft Paroli bieten.

7. Leider ist die Damenmannschaft in Australien nicht dabei. Was kann man da machen, damit sie wieder dabei sein können?

Da kann man schwer etwas machen, weil weit und breit kein Nachwuchs zu sehen ist. Die heutige Generation ist ganz anders. Bei uns ist der Zuwachs von Volleyball sehr rückläufig, wie bei Damen und Herren. Und das wirkt auf die Leistung der Nationalmannschaft aus. Der jetzige Kader ist gar nicht schlecht, um wieder zur Weltspitze zu kommen müssten sie und besonders die Spielerinnen, die auf nach Leistung eingeschätzte Rangliste 7 – 15 sind, viel, viel mehr trainieren. Wichtig ist, dass man Spielerinnen findet, die viel Ehrgeiz und Talent wie unsere unverwüstliche Bettina Steup-Bauer haben.

8. Glaubst du, dass Volleyball bei gehörlosen eine Zukunft hat?

Ich hoffe sehr, dass Volleyball noch lange erhalten bleibt, aber die Gefahr ist schon da, dass eines Tages keine Meisterschaften stattfindet. Im Moment ist es abzusehen, dass bei Meisterschaften auf lange Zeit mit wenigen Teilnehmern zu rechnen ist, so wie bei Wasserball, Faustball oder Handball. Sehr wichtig wäre, dass in der Gehörlosenschule der Sport mehr gefördert wird. Es wird, so wie rückläufige Zahlen bei allen Sportarten zeigen, auch bei hörenden Schulen, einfach zu wenig getan. Es gibt bei Gehörlosenvereinen nur sehr wenige Sportler, die das Opfer bringen, die Schulen besuchen und dort den Kindern durch Schnupperkurse, Probetraining den Sport zeigen. So kann man Sportler für Zukunft gewinnen.
Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, man muss mit der Zeit gehen und als Industrienation ist die Arbeit wichtiger als der Sport. Außerdem gibt es viele Funsportarten ( Skateboard, Surfen, Inlinelaufen etc. ) und die Computerwelt. Der wahre, echte Sport wird nicht mehr so wichtig sein. Leider. Ich denke, dass unser Beachvolleyball eher mehr Chancen hat, sich zu einer starken Sportgruppe zu entwickeln. Man braucht für dieses Spiel nur 2 Personen und da ist die Chance um vieles größer, dass viele Vereine Sportler schicken können. Es ist sehr wichtig, wie man die Rangliste und Meisterschaft durchführt. Alle sollten Spaß daran haben.

9. Du warst als Betreuer für Herren bei EM 2003 in München dabei und hast durch Psychologie typisch für Gehörlosenkultur angewendet. Der Erfolg war die Bronzemedaille. Welches Ziel hast du bei den Deaflympic in Melbourne/Australien?

Die EM 2003 war sehr erfolgreich und ich freue mich, dass ich etwas beitragen konnte. Das war die Geburt eines tolles Teams. Ich hoffe dann, dass dieses Team in Australien noch erfolgreicher weitermacht. Als TL kann ich nicht still sitzen und meine gehörlose Sportler den Schicksal überlassen. Für mich ist es so: Erfolg basiert 50 % auf Training und 50% auf mentale Einstellung. Je stärker der Kopf umso stärker ist der Sportler. Wir haben 2 hörende Trainer, die sehr viel vom Volleyball verstehen, aber die Gebärdensprache bzw. vor allem die Gehörlosenkultur nicht so gut kennen. Die Kommunikation ist unheimlich wichtig zwischen Trainer und Sportler. Über einen Dolmetscher kommt das nicht immer 100%ig rüber. Direkt wäre viel besser, es kommt mehr an. Ein Trainer muss jeden Sportler mit seiner Psyche kennen und darauf eingestellt sein. Das geht nur, wenn der Trainer selber gehörlos ist oder perfekt in der Gehörlosenwelt aufgewachsen ist. In Rom habe ich gesehen, dass die Nationalspieler untereinander zerstritten waren und der Trainer bekommt nichts mit. So kann man kein Erfolg haben. Deshalb versuche ich dies zu vermitteln. Ich versuche auf meine Art die Probleme der Mannschaft klein zu halten und helfe dem Trainer, dass er die Spieler besser versteht. Die höchste Priorität ist, dass jeder Spieler als Mensch respektiert wird. Ich meine damit, dass beim Training und Spiel ein Schuss Aggression und Emotionen dabei sein sollte ( Schimpfe, Kritik, Zorn ). Danach sollte man ruhig und freundschaftlich damit umgehen und niemals einem nachtragen. Spieler, die Emotionen zeigen, sind mir lieber, aber der stille und liebe Jochen zum Beispiel, der ist schon ganz in Ordnung ( lacht ).

10. Wie findest du unsere Homepage?

Einfach toll, großartig und super! Allerdings muss ich gestehen, dass ich nicht immer reinschaue. Wer dieses Homepage geschaffen hat, verdient großen Lob und Respekt. Bei der Volleyballtagung haben wir beschlossen, die Homepage mit 10 € monatlich zu unterstützen. Ich hoffe, das hilft auch etwas. Für mich ist das angenehm, meine Ausschreibung und Berichte nur einmal zu senden. Wer Volleyball liebt, schaut einfach rein, holt sich Informationen und macht dann mit. Wir müssen mit der Zeit gehen. Was mir noch fehlt, ist ein Bereich der Sparte Volleyball, wo ich und Gerhard unsere News eingeben können. Damit die Vereine und Sportler dann direkt informiert werden, wenn etwas Neues ergibt.
Ich hoffe, die Homepage gibt es noch lange.

Reporter Matthias Bork

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