Andreas Müller-Bothmann
Interview mit unserem erfahrenden Spieler Andreas Müller-Bothmann
1. Seit 1987 bist Du Nationalspieler geworden. Bestimmt bist Du ein langjährige (fast 17 Jahre lang) Nationalspieler aller Zeiten sowie Rekordspieler (ca. über 90 Länderspiele). Echt unglaublich! Welche Gefühle hast Du, seitdem es bis jetzt schon herum ist?
WAHNSINN … Sind wirklich schon 17 Jahre um? Wie schnell die Zeit im Flug vergeht! Mein Gefühl sagt mir, es kann nicht sein, aber solange ich mich noch jung fühle, habe ich noch viel vor! Mal sehen, wie sich die nächsten 17 Jahre entwickeln. ;-)
2. Als Jugendliche hast Du Dich für Volleyball statt Fußball, Basketball und Tischtennis entschieden. Warum ausgerechnet Volleyball?
Ganz einfach, als kleiner Junge träumte ich immer davon wie ein Vogel fliegen zu können. Und als ich das erste Mal ein richtiges Volleyballspiel sah, wie die Spieler nur so in der Luft hingen, wusste ich sofort: DAS IST ES! Fußball: War mir einfach zu monoton, da hauptsächlich nur der Beinbereich beansprucht wurde. Und mit 22 Mann den Ball hinterher zu laufen war mir letztendlich zu blöd.
Tischtennis: Hatte Angst, dass sich mein rechter Schlagarm eines Tages wie der des von Popeye entwickelt. ;-)
Basketball: Verdammt schwierig zu Punkten, das sagt schon alles. Im Gegensatz zum Volleyball mit einer Trefferfläche von 9 x 9 Meter. War einfach nicht clever genug!Spaß beiseite … Es machte mir einfach am meisten SPAß!
3. Damals hast Du schwächere Essener und Nationalmannschaft nach oben oder mehrere Siege gebracht? Wie hast du das geschafft?
Als ich mich erstmals im Gehörlosenverein etabliert und ein paar Spiele bei Hörenden unterm Buckel hatte, fiel mir auf, dass überall in Deutschland mit einem 4:2-System gespielt wurde. Da war mir klar, einen neuen Weg einzuschlagen. Es stellte sich nur die Frage, ob wir mit einem 5:1-System auch Erfolg haben werden? Nach etlichen Diskussionsrunden mit MABO und einer „Ist-Analyse“ unserer Mannschaft, entschieden wir uns für den Schritt. So gesehen, hatte dieser Schritt letztendlich Erfolg und DANK der Essener Erfolge entschieden sich ebenfalls immer mehr Vereine für das 5:1-System, was natürlich zu einer höheren Spielkultur führte.
4. Immer noch bist Du trotz 35 Jährige alt als Volleyballer verrückt, fleißig, diziplin, pflegeleicht und stark. Macht es Dich noch länger Spaß?
Ja, denn das Motto bei mir lautet: Ein Tag ohne Sport ist kein Tag! AUFHÖREN steht daher noch in den Sternen … Solange keine schwerwiegende Verletzungen und Krankheiten auftreten, werde ich weitermachen. Notfalls noch bis ins hohe Rentenalter! Mal schauen, ob ich da noch mit Betty an einem Strang ziehen kann !?! ;-)
5. Bis jetzt sind wir noch nicht die Weltspitze, obwohl wir uns beim EM meistens gut abgeschnitten haben. Worum geht es so?
Volleyball besitzt einen hohen Wert an mannschaftlicher Geschlossenheit sowie einem hohen taktischen Verständnis. Drei Lehrgänge im Jahr dafür sind einfach zu wenig, um an der absoluten Weltspitze kratzen zu dürfen. Andere Länder haben einfach die Möglichkeit häufiger zusammen zu trainieren, was aber letztendlich keine Ausrede sein darf. Im Gegensatz dafür müssen wir einfach häufiger und härter in den hörenden Vereinen trainieren, damit das technische Verständnis bei den Lehrgängen nicht mehr so im Vordergrund steht, sondern die Taktik. Was sich jedoch in der letzten Zeit entwickelt hat, stimmt mich optimistisch ein, dass wir auf dem richtigen Weg sind und mit etwas Glück die Weltspitze durcheinander wirbeln können!
6. Seit 2 Jahren bist Du als Kapitän für die Nationalmannschaft. Welche Rolle und Ziel hast Du es?
Als Kapitän habe ich natürlich eine gewisse Verantwortung gegenüber den Spielern und Trainer, worin ich meine Hauptaufgabe in der Steuerungsfunktion innerhalb der Mannschaft zwischen den Spielern und zwischen der Mannschaft und dem Trainer sehe. Es ist mir ganz wichtig, dass alle Mitglieder eines Teams sich wohl fühlen und eine Einheit bilden, egal ob jung, alt, neu oder langjährige Hasen … Ziel hierbei ist natürlich die Offenheit gegenüber Mitglieder der Mannschaft, damit Probleme frühzeitig erkannt und gelöst werden. Dazu zählt in erster Linie die mannschaftliche Geschlossenheit und wenn wir schon als Mannschaft auftreten wollen, soll sich jeder wohl fühlen (wobei man nicht gleich die BESTEN Freunde werden muss), damit auch die entsprechende Leistungen abgerufen werden können. Dieser Aspekt stellt einer der wichtigsten Ziele für mich als Kapitän dar!
7. Du bist große Beach-Freak und spielst Du auch hervorragend. Du wolltest bei den ersten Deaflympics in Melbourne Beach Volleyball spielen. Aber es wurde gestrichen. Kein Grund, hm. Bestimmt bist Du enttäuscht. Schaffst Du, dahin gut zu verdauen und für die Indoor-Nationalmannschaft zu konzentrieren?
Natürlich hat man sich am Anfang darüber Gedanken gemacht, welche der zwei Sportarten man in Melbourne bevorzugt. Das jedoch Beach-Volleyball vom Plan gestrichen worden ist, stellt für mich keine Enttäuschung dar, denn dafür bin ich zu Volleyball-Verrückt! So gilt der ganzen Konzentration nun dem Hallenvolleyball. Wie die Meisten mich kennen, werde ich mich wie immer optimal darauf vorbereiten und mein BESTES geben.
8. Bei fast alle hörenden Saison bist Du seit A-Jugend für den verschiedenen Vereinen und Ligen eingetreten. Welche Saison war Deine beste Leistung und schönste Erfahrung?
Als 20 Jähriger habe ich mal in der Oberliga gespielt, was auch meine höchste Leistungsklasse war. Überhaupt hatte ich im Volleyball verdammt viele schöne Erfahrungen machen dürfen. Was jetzt genau die schönste Erinnerung ist, kann ich leider nicht sagen. Aber dazu zählt z. B. der Gewinn der Bronzenmedaille bei der EM 2003 in München, das Zusammenspiel mit Martin Schott in einer Mannschaft in der Oberliga bzw. mit Mabo, Marco, Martin und Stefan in der Landesliga mit SAGE und SCHREIBE 5 Gehörlosen in einem Punktspiel um nur einige nennen zu können.
9. Du bist die gehörlose Persönlichkeit durch Schauspieler beim Theater „Trio Art“ sowie beste Nationalspieler geworden. Ist Dein Hobby das Theater immer noch?
Ja, Theater ist und bleibt mein Hobby. Denn das einstudieren eines Drehbuchs für eine Rolle, auf der Bühne mit „Lampenfieber“ stehen zu dürfen etc. bietet zum Volleyball eine gute Abwechslungsmöglichkeit dar. Da Sport für mich einer der wichtigsten Faktoren im Leben darstell, ist Theater nur ein Hobby von vielen und Volleyball das Nonplusultra!
10. Wie findest Du unsere Homepage der Sparte Volleyball?
Dazu kann man nur sagen: ALLERERSTE SAHNE! Insbesondere auch an die FBI-Anhängern, die etwas Leben ins Forum bringen. Hoffen wir nur, dass sie bald auch mal eine erfolgreiche Fahndung abschließen … ;-)
Reporter Matthias Bork