Christian Stebel
Interview mit dem Bundestrainer Christian Stebel (Nationalmannschaft Herren)
1. Was denkst Du jetzt nach, dass wir, die Herren – Nationalmannschaft vor halben Jahr große Erfolg (Bronzemedaillengewinner) bei EM in München gehabt haben?
Wie alle sicherlich bemerkt haben war die Vorbereitung zur EM 2003 sehr umfangreich. Begonnen mit der Sichtung, haben wir versucht unser theoretisch geplantes Vorhaben, ein sehr gutes Ergebnis bei der EM zu erzielen, in die Praxis umgesetzt. Dies war nur möglich, weil mein Trainerkollege Alexander und unser technischer Leiter Dieter/Gerhard ihre Aufgaben ausgezeichnet erledigt haben! Um die gesamtem Elemente im technischen und taktischen Bereich zu erarbeiten haben wir viel Zeit benötigt.
Ein ganz wesentlicher Faktor war aber die Disziplin der Mannschaft! Was dasTeam geleistet hat nötigt mir als Trainer einen gehörigen Respekt ab. Während der Vorbereitungslehrgänge habt ihr viel Schweiß und Energie lassen müssen. Seit aber motiviert und gestärkt nach Hause gefahren, um das Erarbeitet zu verstehen und weiter zu trainieren. Für mich hat sich wieder einmal klar gezeigt, wer zielgerichtet arbeitet erntet dann auch den Erfolg!
2. Beim EM - Kampf um 3. Platz war dramatischer gewesen. Wir haben gegen Deaflympics – Dritte Russland geschlagen. Warum sollten wir auch bei den Deaflympics in Melbourne/ Australien eine Medaille nicht holen?
Was bei den Deaflympics passiert kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ich kenne nur die europäischen Teams. Und die EM hat deutlich gezeigt, dass wir gegen Russland die glücklichere Mannschaft waren. Es wäre natürlich ein Traum auch in Australien eine Medaille zu holen, aber da steht uns noch eine Menge Trainingsfleiß bevor. Die Planungen für Australien haben bereits direkt nach der EM in München für die Trainer und Verantwortlichen begonnen!! Zurzeit werte ich noch die letzten Videobänder der EM aus. Ich wünschte mir, dass ich die anderen teilnehmenden Mannschaften (USA/JAPAN/IRAN) vorher noch einmal sehen könnte. Vielleicht gibt es ja jemand, der zufällig ein Video bei den letzten Deaflympics in Italien gemacht hat.
3. Was planst Du mit der Herren – Nationalmannschaft bis zum Deaflympics in Australien?
Ich habe viele Ideen! Leider sind sie nicht alle zu realisieren. (Geldmangel des Verbandes) Wir müssen versuchen, dass beste daraus zu machen. Ihr bekommt frühzeitig Bescheid was konkret gemacht werden wird. Wir werden in jedem Fall versuchen die Lehrgänge (zurzeit sind 3 bewilligt!) möglichst weit nach hinten in das Jahr zu legen. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, dass ich Eure Spielpläne für die Saison 2004/2005 möglichst frühzeitig bekomme. Unter Umständen müssten auch Spieltage verschoben werden. Ziel ist es jedoch, einige Lehrgänge mehr zu absolvieren.
4. Wie warst Du zum ersten Mal im Mai 2002 als neue Bundestrainer gekommen?
Ich habe einen Anruf von meinem Trainerkollegen Wolfgang Schellinger erhalten, den ich schon seit vielen Jahren kenne und schätze! Er teilte mir mit, dass im Herrenbereich ein Co-Trainer gesucht wird. So bin ich also nach Marburg ohne Vorstellungen gefahren. Hier habe ich dann die alten Kaderspieler und die jungen "Wilden" kennen gelernt. Natürlich auch meine Trainerkollegen Alexander. In ausführlichen Gesprächen sind wir Trainer dann zu der Überzeugung gekommen, dass eine Zusammenarbeit gut möglich ist. Wir versuchen als Trainergespann unser Team vorzubereiten .Wenn es irgendwie geht versuchen wir gemeinsam die Entscheidungen zu treffen, bzw. sie abzustimmen! Ich glaube, dass das auch das gesamte Team ausgezeichnet hat gegenseitiges Vertrauen und Abstimmung.
5. Seit über ein Jahr bist Du schon bei uns. Wie hast Du Dich festgestellt, was uns im Moment gefehlt hat?
Wenn man als Trainer eine Mannschaft übernimmt, macht man erst eine "Istanalyse" ! Was habe ich zur Verfügung? Wie viele Lehrgänge habe ich? Welche Spieler stehen zur Verfügung? u.s.w. Erst dann kommen die inhaltlichen Planungen .Wer spielt welche Pos., was für ein System wird gespielt! usw. Auch als Trainer bedeutet das, weite Wege zu gehen und seine Spieler immer wieder zu sehen oder mit ihnen zu kontaktieren. Das Entscheidende ist allerdings, dass die Spieler ihren Trainern vertrauen, denn die Trainer wollen das optimalste für ihre Aktiven.
6. Unsere Herren Mannschaft hat sich gut entwickelt. Aber es könnte sein, dass es irgendwann durch Beach Volleyball vielleicht blockiert würde. Würdest Du es akzeptieren und anerkennen?
Ich sehe dies nicht so. Ich glaube sogar, dass Beachvolleyball ein notwendige Ablenkung darstellt, damit alle wieder motiviert in die Halle zurückkehren. Es ist alles nur eine Sache der Planung. Etwas anderes ist es allerdings, wenn man das Beachen professionell betreibt, dann sind die Planungen ganz anders! Im DGS sehe ich dies nicht. Sollte sich aus unserem Team der ein oder andere dafür entscheiden lieber zu beachen, so haben wir im Moment doch genug Auswahl um dies zu kompensieren.
7. Seit Jahren bist Du beim einer der größten Volleyballshop Deutschlands in Oldenburg und Berlin beschäftigt. Wie warst Du damals darauf gekommen, daß Du solche Shops gegründet hast.
Auch ich habe als Volleyballspieler begonnen. Ich habe mich immer sehr darüber geärgert, wenn ich in Sportgeschäfte gegangen bin und nur ein sehr begrenzte Angebote an Volleyballartikeln vorrätig waren. Irgendwann haben wir dann angefangen von zu Hause aus Trikots usw. zu vertreiben. Daraus sind mittlerweile 3 Geschäfte, 1 Sportagentur und ein großer Internetshop geworden. Also Arbeit ohne Ende...
8. Vor ein paar Jahren wolltest Du als Damen – Nationalmannschaft (Profi) trainieren. Warum gab es trotzdem eine Absage?
Bei diesem Gespräch waren die Bundesligatrainer nach Frankfurt eingeladen um über die Neubesetzung des NM Trainers bei den Frauen zu diskutieren. Letztlich war klar, dass es nur ein Vollblutvolleyballer machen kann, ein absoluter Profi. Schon aus Zeitgründen (durch die Geschäfte!) wäre dies für mich unmöglich gewesen. Gereizt hätte es mich diese Aufgabe schon!
9. Hast Du immer noch keine Zeit, die Gebärdensprache zu lernen?
Ich habe mich sehr ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt. Das Problem ist nicht immer das Lernen, sondern das Vergessen!! Wenn man die Gebärdensprache nicht so häufig anwendet, dann vergisst man sie einfach wieder sehr schnell. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht bemühen würde, um wenigstens einige Sachen zu verstehen und zu gebärden!
10. Wie findest Du unsere Homepage der Sparte Volleyball?
Eine sehr gelungene Sache. Ich bin sehr häufig Gast auf der Seite und erfahre auch hier immer einige Neuigkeiten. Macht weiter so. Vielleicht kann ich diesem Zusammenhang gleich eine Frage los werden. Was oder wer ist eigentlich immer mit FBI gemeint?
Reporter: Matthias Bork